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Der „wilde Osten“ Nicaraguas – eine Entdeckungsreise

Gut drei Wochen bin ich jetzt durch weite Teile des Landes gereist, um mehr über das Projekt des Nicaragua Kanals zu erfahren und ich habe eine Zeit hinter mir, die ich mir so niemals hätte vorstellen können.

Roberto, 38, Fischer und Bauer. Er ist Rama und spricht in einem unverwechselbaren englischen Dialekt. In der Bucht im Hinergrund wirft er morgens seine Netze aus, um sie abends wieder einzuholen. Die Rama sind Ureinwohner an der Atlantikküste Nicaraguas. Seine Vorfahren lebten bereits hier, als Kolumbus Amerika "entdeckte".

Eine ausführliche Beschreibung des dem geplanten Kanalbau zugrundeliegenden Gesetzes und der politischen Situation im Land würde hier den Rahmen sprengen. Stattdessen will ich euch einige persönliche Erlebnisse der vergangenen Wochen näherbringen.

Ich hatte das unheimliche Glück Mitglieder des „Consejo Nacional en Defensa de Nuestra Tierra, Lago y Soberanía“ (grob übersetzt: „Nationaler Rat zur Verteidigung von Land, See und Souveränität“) kennenzulernen. Das Ziel dieser erst knapp zwei Jahre jungen sozialen Bewegung ist die Aufhebung der „Ley 840“, des Gesetzes Nr. 840, welches die Grundlage für den Kanalbau darstellt und gegen einige dutzend Artikel der Verfassung des Landes verstößt. (Das höchste Gericht wird übrigens auch von der regierenden Partei dominiert.)

Zuerst war ich mit ihnen im Westen des Landes unterwegs (Region Rivas und auf der Insel Ometepe) und bin dann ziemlich spontan per Bus und LKW in etwa 30 Stunden in den fernen karibischen Osten gereist. Dort habe ich einige Aktivisten sechs Tage lang während einer Aufklärungskampagne in entlegenen Gebieten ohne Strom-, Wasser- oder Telefonanschluss begleitet, wo die Menschen größtenteils autark von Landwirtschaft und Fischfang leben…

Ich habe gelernt zu reiten (neun Stunden am ersten Tag!), bin stundenlang gelaufen und auf bilderbuchhaften Dschungelflüssen vorbei an Mangroven, Krokodilen und Schildkröten gefahren, habe Kiloweise Reis, Yuca, Bohnen und frischen Käse und mir bis dahin unbekannte Tropenfrüchte gegessen und Kokosmilch getrunken (alles ohne jegliche Magenprobleme), in Hängematten und auf Holzböden geschlafen und dutzende Kleinbauern und Ureinwohner interviewt und portraitiert.

In diesen Tagen schaue ich so langsam dem Ende meiner Reise entgegen – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Nach ein paar Tagen Entspannung werde ich noch einige Ecken für Gespräche und Portraits besuchen, bevor es wieder zurück nach Deutschland geht.

Jetzt liege ich aber erst einmal hier in meiner Hängematte auf der Insel Ometepe mit Stunden an Interviewmaterial, einigen Tausend Fotos und endlosen Geschichten, von denen viele so schön, traurig oder einfach unglaublich sind, dass ich sie selber noch gar nicht verarbeiten kann.

Wie und wo ich dies alles nach meiner Rückkehr präsentieren werde, steht noch weitestgehend in den Sternen. Daher möchte ich euch an dieser Stelle bereits mit einer kleinen Auswahl an Fotos mit auf meine bisherige Reise nehmen…

Bitte beachtet (auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole): Ich werde in diesem Bericht die (politische) Perspektive auf die „Kanal-Situation“ weitestgehend auslassen. Wenn ich oben von „traurigen Geschichten“ gesprochen habe, dann meine ich damit vor allem Verletzungen der Menschenrechte, wie Unterdrückung der Meinungsfreiheit, staatliche Repression und Gewalt bis hin zu Folter in Gefängnissen durch die aktuelle Regierung. Die Augenzeugenberichte und Erfahrungen sind teilweise so bestürzend, dass sie weitergehender Ausführungen bedürfen. Diese Aspekte werde ich an anderer Stelle deutlicher ausführen.

Ich möchte euch hier stattdessen mehr dieses Landes zeigen, dass ich liebe und in diesen Tagen noch mehr zu lieben gelernt habe. Seid euch einfach bewusst, dass die ganze Geschichte (eines Fotos) nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist.

Jefree, 24, Umweltaktivist, Anwalt und Mitglied der Organisation "POPOL NA" klärt mich am ersten Tag meiner Reise über das Kanal-Projekt und die Auswirkungen in einem einstündigen Interview auf.
Jefree, 24, Umweltaktivist, Anwalt und Mitglied der Organisation „POPOL NA“ klärt mich am ersten Tag meiner Reise über das Kanal-Projekt und die Auswirkungen in einem einstündigen Interview auf.
"Punta Gorda" ("Fette Spitze") ist der Ort an der Atlantikküste, an dem der Kanal beginnen soll. Noch weiß ich nicht, wie und dass ich tatsächlich bis dorthin reisen werde.
Skizzenhafte Landkarte: „Punta Gorda“ („Fette Spitze“) ist der Ort an der Atlantikküste, an dem der Kanal beginnen soll. Noch weiß ich nicht, wie und dass ich tatsächlich bis dorthin reisen werde.
"Traum und Katastrophe" - Handbuch über das von der Regierung 2013 verabschiedete Gesetzes über den Kanal-Bau.
„Traum und Katastrophe“ – Handbuch über das von der Regierung 2013 verabschiedete Gesetzes über den Kanal-Bau.
Ich besuche ein Treffen von Mitgliedern des "Nationalen Rats zur Verteidigung von Land, See und Souveränität" (die stetig wachsende soziale Bewegung, deren Ziel die Abschaffung des Kanal-Gesetzes ist) mit der Menschenrechtsorganisation CPDH in Managua.
Ich besuche ein Treffen von Mitgliedern des „Nationalen Rats zur Verteidigung von Land, See und Souveränität“ mit der Menschenrechtsorganisation CPDH in Managua.
Wenn man den Gesetzestext studiert, fällt einem nicht viel mehr ein, als die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen.
Wenn man den Gesetzestext studiert, fällt einem nicht viel mehr ein, als die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen.
Heiße Diskussion.
Heiße Diskussion.
Jungs spielen Fussball am Ufer des Nicaragua-Sees ("Lago Cocibolca").
Jungs spielen Fussball am Ufer des Nicaragua-Sees („Lago Cocibolca“), der auch Teil des Kanals sein soll.
Ich komme mit den Mitgliedern des Nationalen Rats an im kleinen Dorf "Esquipulas" auf der Insel Ometepe für eine Versammlung. Wir werden mit Enthusiasmus empfangen.
Ich komme mit den Mitgliedern des Nationalen Rats an im kleinen Dorf „Esquipulas“ auf der Insel Ometepe für eine Versammlung. Wir werden mit Enthusiasmus empfangen.
Etwa eine Viertelstunde nach Beginn schaltet die lokale Regierung uns bzw. dem kompletten Dorf den Strom ab - eine der üblichen Schikanen, wie mir berichtet wird. Wenig beeindruckt wird die Versammlung bei Kerzenlicht und mit Taschenlampen für zwei Stunden fortgesetzt.
Etwa eine Viertelstunde nach Beginn schaltet die lokale Regierung uns bzw. dem kompletten Dorf den Strom ab – eine der üblichen Schikanen, wie mir berichtet wird. Wenig beeindruckt wird die Versammlung bei Kerzenlicht und mit Taschenlampen für zwei Stunden fortgesetzt.
Melba Cruz, 72, Köchin, Esquipulas/Ometepe: Ich habe die Finca von meinen Eltern übernommen. Wir produzieren Reis, Mais, Bohnen, Bananen. Wir wollen keinen Kanal. Sie sind hier mit Flugzeugen über die Insel geflogen. Man sagt sie kommen, um das Land zu fotografieren. Gott hat uns diesen großen See geschenkt; hier gibt es alle möglichen Spezies, Fische, Krebse. Nicht nur uns nützt dieser See. Vor allem auch den ganz Armen hilft der See, weil sie hier ihr Essen finden. Für mich ist das ganze nicht gut…für niemanden, glaube ich. Ich habe Angst, mein Land und meine Finca zu verlieren, die mich viele Opfer gekostet hat. Ich würde eher hier sterben, als wegzugehen. Allen Leuten geht es so. Wenn hier Arbeiter kommen, werden wir sie verjagen.
Melba Cruz, 72, Köchin, Esquipulas/Ometepe:
„Ich habe die Finca von meinen Eltern übernommen. Wir produzieren Reis, Mais, Bohnen, Bananen. Wir wollen keinen Kanal.
Sie sind hier mit Flugzeugen über die Insel geflogen. Man sagt, sie kommen, um das Land zu fotografieren. Gott hat uns diesen großen See geschenkt; hier gibt es alle möglichen Spezies, Fische, Krebse. Nicht nur uns nützt dieser See. Vor allem auch den ganz Armen hilft der See, weil sie hier ihr Essen finden.
Für mich ist das ganze nicht gut…für niemanden, glaube ich. Ich habe Angst, mein Land und meine Finca zu verlieren, die mich viele Opfer gekostet hat.
Ich würde eher hier sterben, als wegzugehen. Allen Leuten geht es so. Wenn hier Arbeiter kommen, werden wir sie verjagen.“
Doña Melba bereit unser Frühstück zu: Gallopinto (Reis mit Bohnen), Rührei, frittierte Banenen und Käse.
Doña Melba bereit unser Frühstück zu: Gallopinto (Reis mit Bohnen), Rührei, frittierte Bananen und Käse.
Strandimpression auf Ometepe.
Strandimpression auf Ometepe.
Ich befinde mich auf dem Weg in den Osten des Landes. Unser LKW hat einen Platten und braucht einen neuen Reifen.
Ich befinde mich auf dem Weg in den Osten des Landes. Unser LKW hat einen Platten und braucht einen neuen Reifen.
Skepsis und Neugier.
Skepsis und Neugier.
Ich warte in einem kleinen Restaurant auf den nächsten LKW. Wie immer leben (mindestens) drei Generation in einem Haushalt und ich spaße mit der Großmutter. Auch kaufe ich mir eine Gallone Trinkwasser - eine weise Entscheidung, wie sich herausstellen wird, denn während der nächsten sieben Tage werden wir an keinem Geschäft vorbeikommen.
Ich warte in einem kleinen Restaurant auf den nächsten LKW. Wie immer leben (mindestens) drei Generation in einem Haushalt und ich spaße mit der Großmutter.
Auch kaufe ich mir eine Gallone Trinkwasser – eine weise Entscheidung, wie sich herausstellen wird, denn während der nächsten sechs Tage werden wir an keinem Geschäft vorbeikommen.
Wir fahren mit dem LKW durch einen Fluss. Seit 2-3 Monaten ist Trockenzeit. In der Regenzeit befindet sich die Brücke übrigens häufig nur knapp über der Wasseroberfläche.
Wir fahren mit dem LKW durch einen Fluss. Seit knapp 3 Monaten ist Trockenzeit. In der Regenzeit befindet sich die Hängebrücke übrigens häufig nur knapp über der Wasseroberfläche.
Festhalten ist angesagt auf der Ladefläche - auch wenn man einen der "gemütlichen" Plätze auf den Säcken mit Zucker, Reis und anderen Waren ergattert hat.
Festhalten ist angesagt auf der Ladefläche – auch wenn man einen der „gemütlichen“ Plätze auf den Säcken mit Zucker, Reis und anderen Waren ergattert hat.
Eine Morgenimpression - es ist 6.30 und ich bin bereits seit gut eineinhalb Stunden wach.
Eine Morgenimpression – es ist 6.30 und ich bin bereits seit gut eineinhalb Stunden wach.
Letzte Reisevorbereitungen und Backups bevor wir in den Dschungel verschwinden.
Letzte Reisevorbereitungen und Backups, bevor wir in den Dschungel verschwinden.
Vamos! Voller Vorfreude rutsche ich den Hang hinunter.
Vamos! Voller Vorfreude „rutsche“ ich den Hang hinunter.
Auch ich habe inzwischen gelernt, wie Orangen hier geschält und ausgeschlürft werden.
Auch ich habe inzwischen gelernt, wie Orangen hier geschält und ausgeschlürft werden.
Blick ans Ufer.
Blick ans Ufer.
Pablo (links), 37, Bauer und Lehrer sowie Medardo, 36, Bauer und Abgeordneter im regionalen Parlament engagieren sich aktiv im Kampf gegen das Kanal-Projekt und werden zwei meiner Reisebegleiter sein.
Pablo (links), 37, Bauer und Lehrer sowie Medardo, 36, Bauer und Abgeordneter im regionalen Parlament engagieren sich aktiv im Kampf gegen das Kanal-Gesetz und werden zwei meiner Reisebegleiter sein.
Wir treffen unseren vierten Mitstreiter: "Chepito" (etwa: der Kleine, eigentlich José Chavarría), 49, Bauer und Koordinator der Aufklärungsaktivitäten in der Region. Ich werde in den kommenden Tagen noch sehr beeindruckt davon sein, wie viele Leute er kennt. Fast jede Nacht werden wir bei einem Bekannten von ihm schlafen.
Wir treffen unseren vierten Mitstreiter: „Chepito“ (etwa: der Kleine, eigentlich José Chavarría), 49, Bauer und Koordinator der Aufklärungsaktivitäten in der Region. Ich werde in den kommenden Tagen noch sehr beeindruckt davon sein, wie viele Leute er kennt. Fast jede Nacht werden wir bei Bekannten von ihm schlafen.
Letzte Vorbereitungen. So wenig Gepäck wie möglich. Die Handbücher dürfen natürlich nicht fehlen. Auch ich lasse meinen Rucksack und Laptop zurück und nehme nur das Nötigste mit.
So wenig Gepäck wie möglich, ist die Devise. Die Handbücher dürfen natürlich nicht fehlen. Auch ich lasse Rucksack und Laptop zurück und packe nur das Nötigste ein.
Machete schärfen.
Machete schärfen.
Elegant, oder? ;)
Elegant, oder? Nicht so elegant war hingegen meine Entscheidung, ein weißes T-Shirt zu tragen. Dieses hat nun ungefähr die Farbe meiner Jeans.
So ein Snack zum Frühstück - da zahlt sich der Sitz auf dem hohen Ross doch aus...
So ein Snack zum Frühstück – da zahlt sich der Sitz auf dem hohen Ross doch aus…
Ein altes Ehepaar sitzt auf der Veranda ihrer Finca. Auch sie wohnen in dem Gebiet, dass vom Kanalbau betroffen wäre und müssten ihr Land verlassen.
Ein altes Ehepaar sitzt auf der Veranda ihrer Finca. Auch sie wohnen in dem Gebiet, dass vom Kanalbau betroffen wäre und müssten ihr Land verlassen.
Ich blicke bei tropischem Nieselregen zurück auf die Finca, wo wir soeben waren.
Ich blicke bei tropischem Nieselregen zurück auf die Finca, wo wir soeben waren.
Ich verstehe nun auch, warum mir geraten wurde, mir im letzten Dorf unbedingt noch Gummistiefel zu besorgen - obwohl wir die Überquerung diesmal über die "Brücke" am rechten unteren Bildrand trocken geschafft haben.
Ich verstehe nun auch, warum mir geraten wurde, mir im letzten Dorf unbedingt noch Gummistiefel zu besorgen – obwohl wir die Überquerung diesmal über die „Brücke“ am rechten unteren Bildrand trocken geschafft haben.
Weiter geht es über eine Ebene und vorbei an zahllosen Fincas.
Weiter geht es über eine Ebene und vorbei an zahllosen Fincas.
Die Reiter unter euch wissen vielleicht, was es für die Beine und Hintern bedeutet, Hügel, Stock und Stein zu überqueren. Aber bei so einem Ausblick ist einem doch alles egal!
Die Reiter unter euch wissen vielleicht, was es für Beine und Hintern bedeutet, Hügel, Stock und Stein zu überqueren. Aber bei so einem Ausblick ist einem doch alles egal!
Mädchen auf einer Finca.
Mädchen auf einer Finca.
Die erste Aktivität am nächsten Morgen - Kühe melken um 6.30 Uhr.
Die erste Aktivität am nächsten Morgen: Kühe melken sobald es hell ist.
Die Milch wird in einer Holzwanne gesammelt - im Laufe des Tages wird hieraus Käse gewonnen.
Die Milch wird in einer Holzwanne gesammelt – im Laufe des Tages wird hieraus Käse gewonnen.
In der Küche kocht bereits der Kaffee.
In der Küche kocht bereits der Kaffee.
Schattenspiele.
Schattenspiele.
Aktivist in Nicaragua spricht über Nicaragua Kanal.
Ich mache eines meiner vielen Interviews mit Medardo.
Heute geht es etwa drei Stunden lang zu Fuß zu einer Versammlung - so ein Dschungelfluss ist eine willkommene Erfrischung.
Heute geht es etwa drei Stunden lang zu Fuß zu einer Versammlung – so ein Dschungelfluss ist eine willkommene Erfrischung.
Eine Quelle mit trinkbarem Wasser ist natürlich noch besser - obwohl ich noch skeptisch bin und mir nur einen kleinen Schluck genehmige. Ansonsten trinke ich das Brunnenwasser nur aus der Flasche nach einer halbstündigen Wirkphase meiner antibakteriellen Spezialtabletten.
Eine Quelle mit trinkbarem Wasser ist natürlich noch besser, obwohl ich noch skeptisch bin und mir nur einen kleinen Schluck genehmige. Ansonsten trinke ich das Brunnenwasser erst aus der Flasche nach einer halbstündigen Wirkphase meiner antibakteriellen Spezialtabletten.
Schönheit.
Schönheit.
Ankunft in "Las Brisas" - der Name leitet sich ab von dem frischen Lüftchen, was auf diesem Hügel weht. In der Ferne ist bereits der Atlantik zu erahnen. Hier sprechen Medardo, Pablo und Chepito heute vor etwa 100 Leuten über das Kanal-Gesetz.
Ankunft in „Las Brisas“ – der Name leitet sich ab von dem frischen Lüftchen, was auf diesem Hügel weht. In der Ferne ist bereits der Atlantik zu erahnen. Hier sprechen Medardo, Pablo und Chepito heute vor etwa 100 Leuten über das Kanal-Gesetz.
Erhobener Blick.
Landhund.
Impression.
Impression.
Für den Gottesdienst erscheinen alle in ihrem schicksten Outfit.
Für den Gottesdienst erscheinen viele in ihrem schicksten Outfit.
Neugieriger Blick.
Neugieriger Blick.
Auch hier auf dem Land ist Zeit für Vergnügen mit dem Nationalsport Baseball.
Auch hier auf dem Land ist Zeit für Vergnügen beim Nationalsport Baseball.
Nach der Rückkehr reiten wir noch für eine knappe Stunde. Auf dieser Finca habe ich (ganz im Ernst) ein Gefühl von Luxus - es gibt einen Holzfussboden! Hier ist eine Impression am nächsten Morgen, als Pablo gerade aufwacht.
Nach der Rückkehr reiten wir noch für eine knappe Stunde. Auf dieser Finca habe ich (ganz im Ernst) ein Gefühl von Luxus – es gibt einen Holzfussboden! Dieses Gefühl verschwindet übrigens noch am gleichen Abend, als ich während meiner Dusche auf einem Holzbrett im Schlamm stehend im Schein meiner Taschenlampe eine fette Spinne erblicke.
Hier ist eine Impression am nächsten Morgen, als Pablo gerade aufwacht.
Zeit zum Wäschewaschen ist heute auch - getrocknet wird diese wie üblich auf dem Stacheldrahtzaun, damit der starke Wind sie nicht wegweht.
Zeit zum Wäschewaschen ist heute auch – getrocknet wird diese wie üblich auf dem Stacheldrahtzaun, damit der starke Wind sie nicht wegweht.
Papaya zum Frühstück.
Papaya zum Frühstück.
Nach einer Stunde kommen wir gegen 10 Uhr am Ort unserer heutigen Versammlung an.
Nach einer Stunde kommen wir gegen 10 Uhr am Ort unserer heutigen Versammlung an.
Wieder wird Kleinbauern in der betroffenen Region über das Kanal-Gesetz berichtet und anschließend diskutiert.
Wieder wird Kleinbauern in der betroffenen Region über das Kanal-Gesetz berichtet und anschließend diskutiert.
Kurz vor der Abenddämmerung sind wir wieder zurück auf der Finca - hier ein Foto von Chepito, Pablo und Medardo (l-r).
Kurz vor der Abenddämmerung sind wir wieder zurück auf der Finca – hier ein Foto von Chepito, Pablo und Medardo (l-r).
Auch wenn es in dieser Region keinen Empfang gibt, sind Handys doch weit verbreitet. Und dieses Modell ist für das feuchte Klima deutlich geeigneter als mein iPhone, das nach der Tour den Geist aufgegeben hat. Zum Glück gibt es hier viele kreative (und günstige) Techniker, sodass ich nun wieder erreichbar bin.
Auch wenn es in dieser Region keinen Empfang gibt, sind Handys doch weit verbreitet. Und dieses Modell ist für das feuchte Klima deutlich geeigneter als mein iPhone, das nach der Tour den Geist aufgegeben hat. Zum Glück gibt es hier viele kreative (und günstige) Techniker, sodass ich nun wieder erreichbar bin.
Kein schöner Anblick des Wassers in diesem Teich. Mangelndes Umweltbewusstein ist leider weit verbreitet.
Kein schöner Anblick des Wassers in diesem Teich. Mangelndes Umweltbewusstein ist leider weit verbreitet.
Verschnaufpause.
Verschnaufpause.
Unterwegs begegnen wir vielen Familien. Dass sie von einem neugieriegen "Chele" (Bezeichnung für Europäer/Amerikaner; abgeleitet vom Wort "Leche" für Milch) fotografiert werden, passiert für viele zum ersten Mal.
Unterwegs begegnen wir vielen Familien. Dass sie von einem neugieriegen „Chele“ (Bezeichnung für Europäer/Amerikaner; abgeleitet vom Wort „Leche“ für Milch) fotografiert werden, passiert für viele zum ersten Mal.
Nachdem wir viel durch abgeholzte Gebiete gewandert sind, auf denen nun Vieh grast und Bohnen, Mais und vieles mehr angebaut wird, geht es heute durch "echten" Dschungel, inklusive Kokosnuss-Snack.
Nachdem wir viel durch abgeholzte Gebiete gewandert sind, auf denen nun Vieh grast und Bohnen, Mais und vieles mehr angebaut wird, geht es heute durch „echten“ Dschungel, inklusive Kokosnuss-Snack.
Nach dem Schlürfen der köstlichen Kokosmilch durch eine kleine Öffnung, wird die Kokosnuss halbiert und das Fruchtfleich ausgeschürft.
Nach dem Schlürfen der köstlichen Kokosmilch durch eine kleine Öffnung, wird die Kokosnuss halbiert und das Fruchtfleich ausgeschürft.
Nach endlosen Strapazen erreichen wir die Karibikküste! Dieses Glücksgefühl ist mit Worten nicht zu beschreiben.
Nach endlosen Strapazen erreichen wir die Karibikküste! Dieses Glücksgefühl ist mit Worten nicht zu beschreiben.
Roberto, 38, Fischer und Bauer. Er ist Rama und spricht in einem unverwechselbaren englischen Dialekt. In der Bucht im Hinergrund wirft er morgens seine Netze aus, um sie abends wieder einzuholen. Die Rama sind Ureinwohner an der Atlantikküste Nicaraguas. Seine Vorfahren lebten bereits hier, als Kolumbus Amerika "entdeckte".
Roberto, 38, Fischer und Bauer. Er ist Rama und spricht in einem unverwechselbaren englischen Dialekt. In der Bucht im Hinergrund wirft er morgens seine Netze aus, um sie abends wieder einzuholen. Die Rama sind Ureinwohner an der Atlantikküste Nicaraguas. Seine Vorfahren lebten bereits hier, als Kolumbus Amerika „entdeckte“.
Roberto's Hände sind vom Leben gezeichnet.
Roberto’s Hände sind vom Leben gezeichnet.
Er hat außerdem soeben unser Abendessen gefangen.
Er hat außerdem soeben unser Abendessen gefangen.
Eine frische Brise, aufreißende Wolken, sanfte Wellen: Sonnenaufgang in der Karibik. Wieder einer dieser Momente, in denen ich überwältigt dastehe und das Leben liebe.
Eine frische Brise, aufreißende Wolken, sanfte Wellen: Sonnenaufgang in der Karibik. Wieder einer dieser Momente, in denen ich überwältigt dastehe und das Leben liebe.
Roberto macht sich mit seinem kleinen Einbaum auf den Weg zu den Netzen.
Roberto macht sich mit seinem kleinen Einbaum auf den Weg zu den Fischgründen.
Von der Regierung zurückgelassen: vor gut einem Jahrzehnt hat die Vorgängerregierung hier eine Schule gebaut. Instandhaltung und Lehrer gibt es jedoch seit Langem nicht mehr.
Von der Regierung zurückgelassen: vor gut einem Jahrzehnt hat die Vorgängerregierung hier eine Schule gebaut. Instandhaltung und Lehrer gibt es jedoch seit Langem nicht mehr.
Einige Jungs haben eine Schlange gefangen und vergnügen sich nun damit, die Kinder zu erschrecken. (Laut Auskünften der Dorfbewohner ist sie übrigens nicht giftig, sodass auch ich mich relativ nah heranwage.)
Einige Jungs haben eine Schlange gefangen und vergnügen sich nun damit, andere Kinder zu erschrecken. (Laut Auskünften der Dorfbewohner ist sie übrigens nicht giftig, sodass auch ich mich relativ nah heranwage.)
David, 23, Bauer und Fischer und Rama. Er erzählt mir davon, dass er nicht wirklich etwas über das Kanal-Projekt weiß, aber dass er Angst hat, dass seine Gemeinde vertrieben wird. Außerdem spricht er davon, dass etwa 95% der Gemeinde gegen das Projekt sind. Die Restlichen seien Jugendliche, denen von der Regierung verlockende (finanzielle) Offerten gemacht wurden. Dies wird mir von weiteren Stammesmitgliedern - ohne spezifische Nachfrage - bestätigt.
David, 23, Bauer, Fischer und Rama. Er erzählt mir davon, dass er nicht wirklich etwas über das Kanal-Projekt weiß, aber dass er Angst hat, dass seine Gemeinde vertrieben wird. Außerdem spricht er davon, dass etwa 95% der Gemeinde gegen das Projekt sind. Die Restlichen seien Jugendliche, denen von der Regierung verlockende (finanzielle) Offerten gemacht wurden. Dies wird mir von weiteren Stammesmitgliedern – ohne spezifische Nachfrage – bestätigt.
Der Blick auf die Bucht der Gemeinde Bangkukuk (Punta de Aguila = "Adlerspitze"). In dieser Gegend soll ein Tiefseehafen entstehen. Etwa 10km südlich von hier befindet außerdem die Flussmündung des "Punta Gorda" - dort soll der Kanal beginnen.
Der Blick auf die Bucht der Gemeinde Bangkukuk (Punta de Aguila = „Adlerspitze“). In dieser Gegend soll ein Tiefseehafen entstehen. Etwa 10km südlich von hier befindet außerdem die Flussmündung des „Punta Gorda“ – dort soll der Kanal beginnen.
Heute findet die Versammlung im Dorf Bangkukuk statt (Gebäude in der Bildmitte).
Heute findet die Versammlung im Dorf Bangkukuk statt (im Gebäude in der Bildmitte).
Impression.
Impression.
Pablo liest Teile des Gesetzestextes vor.
Pablo liest Teile des Gesetzestextes vor.
Zum Mittagessen gibt es Reis, Yuca und Schweinefleisch - frisch geschlachtet.
Zum Mittagessen gibt es Reis, Yuca und Schweinefleisch – frisch geschlachtet.
Am Nachmittag bringt uns einer der Stammesälteren in seinem Panga-Boot ein Stück weiter südlich an die Küste etwa eine halbe Stunde vor der Mündung des "Río Punta Gorda".
Am Nachmittag bringt uns einer der Stammesälteren in seinem Panga-Boot ein Stück weiter südlich an die Küste etwa eine halbe Stunde vor die Mündung des „Río Punta Gorda“.
Die See ist rau.
Die See ist rau.
Ich stehe glücklich am Strand.
Ich stehe glücklich am Strand.
Tropenvögel.
Tropenvögel.
Über angeschwemmte Baumstämme laufen wir in Richtung Süden. Ich war noch nie an einem derart rauen und unberührten Strand. Links von uns brechen die Wellen herein - rechts stehen im tropischen Meeresdunst Palmen und scheinbar undurchdringliche Gewächse.
Über angeschwemmte Baumstämme laufen wir in Richtung Süden. Ich war noch nie an einem derart rauen und unberührten Strand. Links von uns brechen die Wellen herein – rechts stehen im tropischen Meeresdunst Palmen und scheinbar undurchdringliche Gewächse.
Schönheit.
Schönheit.
Und hier bin ich wieder - erschöpft und erleichtert. Wie unschwer zu erkennen ist, sind wir durch Flüße gewatet. Im Hintergrund ist die Mündung des "Río Punta Gorda" und der atlantische Ozean zu sehen. Hier soll der Kanal beginnen.
Und hier bin ich wieder – erschöpft und erleichtert. Wie unschwer zu erkennen ist, sind wir durch Flüße gewatet. Im Hintergrund ist wieder die Mündung des „Río Punta Gorda“ und der atlantische Ozean zu sehen. Hier soll der Kanal beginnen.
Portraits im tropischen Morgenlicht - hier: Chepito.
Portraits im tropischen Morgenlicht – hier: Chepito.
Unsere Gastgeber: Francisco, 45, mit seiner Familie.
Unsere Gastgeber: Francisco, 45, mit seiner Familie.
Meine drei Helden: Chepito, Medardo und Pablo (l-r).
Meine drei Helden: Chepito, Medardo und Pablo (l-r).
Ankunft der "Ruta", des öffentlichen Verkehrsmittels.
Ankunft der „Ruta“, des öffentlichen Verkehrsmittels.
Wasserspiegelungen.
Wasserspiegelungen.
Nun geht es auf einem Nebenfluss weiter.
Nun geht es auf einem Nebenfluss weiter.
Kein Kommentar.
Kein Kommentar.
Nach der Ankunft mit dem Boot laufen wir noch eine knappe Stunde zu Fuß zurück ins Dorf. Ihr glaubt gar nicht, wie erfrischend so ein "Gummistiefel-Bad" ist.
Nach der Ankunft mit dem Boot laufen wir noch eine knappe Stunde zu Fuß zurück ins Dorf. Ihr glaubt gar nicht, wie erfrischend so ein „Gummistiefel-Bad“ ist.
Feldweg: in der Regenzeit übrigens unpassierbar mit motorisierten Fahrzeugen. Dann geht es höchstens per Pferd voran, meist aber über die gefüllten Flüsse per Panga-Boot.
Feldweg: in der Regenzeit übrigens unpassierbar mit motorisierten Fahrzeugen. Dann geht es höchstens per Pferd voran, meist aber über die gefüllten Flüsse per Panga-Boot.
Hier ein übliches Transportmittel: IFA-Lastwagen, deren Ladeflächen mit Sitzbänken ausgestattet sind.
Hier ein übliches Transportmittel: IFA-Lastwagen, deren Ladeflächen mit Sitzbänken ausgestattet sind.
Zurück in der Zivilisation: Granada, eine bildhaft schöne Kolonialstadt, empfängt mich mit dem alljährlichen internationalen Poesie-Festival. Bei lauen Sommertemperaturen gibt es täglich Lesungen und Konzerte - alles kostenlos. Ich kann mein Glück kaum fassen und bin überwältigt von diesem Gegensatz.
Zurück in der Zivilisation: Granada, eine bildhaft schöne Kolonialstadt, empfängt mich mit dem alljährlichen internationalen Poesie-Festival. Bei lauen Sommertemperaturen gibt es täglich Lesungen und Konzerte – alles kostenlos. Ich kann mein Glück kaum fassen und bin überwältigt von diesem Gegensatz.
Tamarinden-Chia-Saft.
Tamarinden-Chia-Saft.
Karel, 23, engagiert sich im Dorf "El Tule" an der Südostseite des Nicaragua-Sees gegen das Kanal-Projekt.
Karel, 23, engagiert sich im Dorf „El Tule“ an der Südostseite des Nicaragua-Sees gegen das Kanal-Projekt.
Juana, 50, kam im Fischerdorf "San Miguelito" auf mich zu und wollte fotografiert werden.
Juana, 50, kam im Fischerdorf „San Miguelito“ auf mich zu und wollte fotografiert werden. Dafür bin ich natürlich immer zu haben.
Arnolfo Sequiera, 53, Quebrada Seca, unterstützt die Koordination der Aktivitäten gegen das Kanal-Gesetz.
Arnolfo Sequiera, 53, Quebrada Seca, unterstützt die Koordination der Aktivitäten gegen das Kanal-Gesetz in der Region San Miguelito.
Guter Fang und kritischer Blick.
Guter Fang und kritischer Blick.
Nicaragua pur: Alte Schulbusse und Vulkane.
Nicaragua pur: Alte Schulbusse und Vulkane.
Nach aufregenden Wochen gönne ich mir ein paar Tage Auszeit auf der Insel Ometepe. Das ist der Blick aus meiner Hängematte und genau der Ort, an dem ich diese Zeilen tippe.
Nach aufregenden Wochen gönne ich mir ein paar Tage Auszeit auf der Insel Ometepe. Das ist der Blick aus meiner Hängematte und genau der Ort, an dem ich diese Zeilen tippe.

11 Comments

  • Gerd Schnepel on Mrz 17, 2016

    Ist schon strange,die ganze Route und die Leute zu sehen, mit den Augen eines ganz Neuen, der hier „durchreist“. Ich wohne hier (in Nueva Guinea, see map!) seit 1982, da nimmt man vieles gar nicht mehr so war wie der Chele auf Foto- und Interview-Reise.

    Wenn die Leser und Leserinnen hier selber herkommen wollen ;o) – get in touch with us in Nueva Guinea, Región Autónoma Caribe Sur. ¡Bienvenidos y bienvenidas! Grüße von Gerd Schnepel, Finca La Esperanzita – Escuela Campesina de Agricultura Ecológica en el Trópico Húmedo, Sano y Salvo • Safe and Sound, Primera Asociación Campesina e Indígena de Cultura y Producción Ecológicas en la Biosfera del Sureste de Nicaragua und natürlich escuela montessori Jan Amos Comenius, alle mit Sitz in Nueva Guinea.

    GERDSCHNEPEL2043@yahoo.com

  • Rafael Henriquez on Mrz 04, 2016

    Excellent!! A lot of beauty and human stories threaten by greediness…

  • Ralf on Mrz 01, 2016

    Beeindruckend!

  • Irene on Mrz 01, 2016

    You’ve made me speechless. A picture paints a thousand words.

  • Amelie on Feb 29, 2016

    Tille, auch wenn ich das, was meine Vorgänger hier geschrieben habe, wiederhole – der Wahnsinn!! Es ist unglaublich, was du erlebst und welch tiefe Einblicke du in diese Welt erlangt hast/erlangst!
    Es ist so schön, über deine Eindrücke zu lesen und die Bilder anzuschauen, um sich gedanklich dorthin zu versetzen…
    Ich kann dich absolut verstehen und hoffe, weiter an deiner spannenden Reise teilhaben zu können!!
    Alles Liebe, deine Amelie

  • Sibylle Arians on Feb 28, 2016

    Tilman, ich bin fasziniert von dem was Du schreibst und zeigst. Schön, dass ich daran ein bisschen teilhaben kann, und ich bin schon sehr gespannt auf das was noch kommt! Danke. – Und: Noch ein paar schöne Tage im Nicaland!

  • Yannick on Feb 28, 2016

    Tilman, wie immer der Wahnsinn. Irre Bilder. Wirklich toll.

  • Terry Jones on Feb 28, 2016

    BRILLIANT !!!

  • Terry Jones on Feb 28, 2016

    What a great journey Tilman your photos paint a thousand words as they say. Not many of us get to share our experiences in this way. Cant wait for the more comprehensive version.
    Teza

  • Nils on Feb 26, 2016

    He, wow, Tilman, das ist unglaublich schön… Vielen Dank!

  • Mathieu Pralus on Feb 26, 2016

    Wonderful pictures. You really seemed to be in full immersion. Thank you very much for this visual trip.